Zwischen Tradition und Moderne Zeuge der Industrialisierung und Kulturdenkmal

Das Druckwasserwerk ist das einzige erhaltene historische Gebäude des 1886 eröffneten Frankfurter Sicherheits- und Handelshafen. Mit dem neuen leistungsfähigen und hochwasserfreien Hafen, der den Umschlag mit den großen Handelsplätzen am Rhein sicherstellte, übernahm Frankfurt eine führende Stellung im Handel mit Massengütern auf dem Main. Das Hafenprojekt war das erste Unternehmen dieser Art und dieses Umfangs zur Schiffbarmachung eines Flusses in Deutschland.

Das Herzstück der hochmodernen Technik der neuen Hafenanlage war das von 1886 bis 1888 durch das Tiefbauamt der Stadt Frankfurt errichtete Druckwasserwerk, das den Betrieb aller mechanischen Anlagen auf dem neuen Hafengelände ermöglichte: Krananlagen zum Laden und Löschen der Schiffe, die Spille zur Fortbewegung von Schiffen und Eisenbahnwagons in der Hafenanlage, Aufzüge im Lagerhaus, Schiebebühnen und ein fahrbarer Getreideelevator wurden durch Druckwasser hydraulisch angetrieben. Über eine Ringleitung über die Friedensbrücke und die Eisenbahnbrücke versorgte das Druckwasserwerk darüber hinaus auch die Kräne des ehemaligen Kohle- und Petroleumhafens auf der gegenüberliegenden Mainseite am heutigen Theodor-Stern-Kai.

In der 13 Meter hohen Maschinenhalle des Druckwasserwerks – wo heute diniert, getagt und gefeiert wird – stand einst die gewaltige maschinelle Anlage zur Erzeugung des Druckwassers. Zwei Dampfmaschinen trieben je zwei Hochdruckpumpen an, die 13,5 Liter Kraftwasser pro Sekunde mit 50 Atmosphären Spannung lieferten. In den für den Bau charakteristischen Türmen wurde ein Vorrat des unter Druck stehenden Wassers gespeichert, der Druckschwankungen im System ausgleichen konnte.

Während des zweiten Weltkriegs wurde der Westturm des Druckwasserwerks aufgestockt und mit einem schweren Maschinengewehr bestückt, das feindliche Angriffe abwehren sollte. Sämtliche Fenster des Gebäudes wurden zugemauert. Weitestgehend unversehrt hat das Druckwasserwerk den Bombenhagel des Krieges überstanden.

Nach 1945 war die hydraulische Technik veraltet. Die Technik für den Hafenbetrieb wurde auf innovative, wartungsärmere und wirtschaftlichere Elektroantriebe umgestellt. Die mächtigen Dampfmaschinen des Druckwasserwerks wurden 1960 verschrottet. Von da an fiel das Gebäude in einen Dornröschenschlaf. Die Räume wurden nur notdürftig in Stand gehalten und bisweilen als Atelier oder Filmkulisse genutzt. Erst mit der Entwicklung des Westhafenareals zum modernen Wohn- und Büroviertel gelangte der neoromanische Backsteinbau wieder in den Fokus.

2008 erwarb ein visionärer Unternehmer das ehemalige Industriegebäude und ließ es behutsam und mit großer Detailverliebtheit restaurieren. Dabei wurde großer Wert auf historische Authentizität gelegt. Die zugemauerten Fensteröffnungen erhielten neue Sprossenfenster, das Tragwerk im Dachstuhl und das Holzdach wurden originalgetreu erneuert, die geprägten Bodenkacheln, von denen nur ein Bruchteil erhalten geblieben ist, wurden kurzerhand nachgebildet. Im Untergeschoss, wo sich einst das schwere Schwungrad zum Antrieb der Dampfmaschinen drehte, findet sich eine absichtlich bewahrte Spur der Vergangenheit: schwarze Schmierölspuren an der Backsteinwand.

Vom Ergebnis der Restaurierung zeigten sich auch die Mitglieder des städtischen Denkmalbeirats begeistert. 2009 erhielt das Druckwasserwerk die Auszeichnung „Denkmal des Jahres“, zusammen mit der Kennzeichnung als Kulturdenkmal gemäß der Haager Konvention, die damit zum ersten Mal in Frankfurt vergeben wurde.